Drohnen im Bienenvolk – unterschätzt und erstaunlich wichtig
Wenn ich Besuchern meine Bienenvölker zeige, richten sich die Blicke meist zuerst auf die Königin oder auf die fleißigen Arbeiterinnen. Doch spätestens dann, wenn ich eine Wabe mit Drohnenbrut neben eine Wabe mit normaler Brut halte, wird die Neugier groß. Die auffällig gewölbten Brutzellen fallen sofort ins Auge, und viele fragen mich, warum die Bienen überhaupt Drohnen aufziehen. Noch spannender wird es, wenn ich anschließend den Größenvergleich zwischen einer Drohne und einer Arbeiterin zeige. Dann erkennen die meisten sofort, dass diese stattlichen Bienen eine besondere Rolle spielen. Als Imker beobachte ich Drohnen seit vielen Jahren, und obwohl sie weder Nektar sammeln noch Honig erzeugen, gehören sie zu den wichtigsten Mitgliedern eines Bienenvolkes.
Drohnen in der Imkerei zeigen schon als Brut deutliche Unterschiede
Wenn ich eine Brutwabe aus dem Volk ziehe, erkenne ich die Drohnenbrut bereits auf den ersten Blick. Die Zellen ragen deutlich hervor, weil die Drohnen größer heranwachsen als die Arbeiterinnen. Dadurch entsteht das typische, buckelige Erscheinungsbild der Wabe.
Viele Menschen vermuten zunächst, dass diese größeren Zellen etwas Besonderes oder sogar ein Problem darstellen. Doch das Gegenteil ist der Fall, denn ein gesundes Volk legt ganz bewusst Drohnenbrut an. Die Königin bestiftet dafür spezielle Zellen, und anschließend versorgen die Arbeiterinnen die heranwachsenden Drohnen mit großer Sorgfalt.
Dabei entsteht eine interessante Besonderheit: Drohnen schlüpfen aus unbefruchteten Eiern. Während Arbeiterinnen und Königinnen aus befruchteten Eiern entstehen, entwickelt sich die Drohne ausschließlich aus dem Erbgut der Königin. Deshalb nimmt sie innerhalb des Bienenvolkes eine besondere Stellung ein.
Drohnen in der Imkerei übernehmen eine entscheidende Aufgabe
Wer Drohnen nur als gemütliche Mitbewohner betrachtet, unterschätzt ihre Bedeutung gewaltig. Zwar sammeln sie keinen Nektar, und sie bauen auch keine Waben, dennoch erfüllen sie eine Aufgabe, die für das Überleben der Honigbienen unverzichtbar ist.
Junge Königinnen verlassen nach dem Schlüpfen den Stock für ihren Hochzeitsflug. Während dieses Fluges treffen sie auf zahlreiche Drohnen, die sich an sogenannten Drohnensammelplätzen versammeln. Dort entscheidet die Natur, welche Tiere ihre Gene weitergeben dürfen.
Ich finde diesen Vorgang jedes Mal faszinierend, denn er sorgt für genetische Vielfalt und damit für starke Bienenvölker. Ohne Drohnen gäbe es keine begatteten Königinnen, und ohne Königinnen könnte kein Volk dauerhaft bestehen. Obwohl Drohnen also keinen Honig eintragen, tragen sie dennoch entscheidend zur Zukunft des gesamten Bienenstandes bei.
Drohnen in der Imkerei beeindrucken durch ihre Größe und ihr kurzes Leben
Wenn ich eine Drohne neben eine Arbeiterin halte, staunen viele Betrachter über den Größenunterschied. Drohnen besitzen einen kräftigeren Körper, größere Flügel und vor allem auffallend große Augen. Diese Augen erfüllen einen wichtigen Zweck, denn die Drohne muss eine Königin während ihres Fluges erkennen und verfolgen können.
Trotz ihrer beeindruckenden Erscheinung leben Drohnen meist nur wenige Wochen. Im Frühjahr und Sommer versorgt das Volk sie großzügig, weil ihre Aufgabe noch bevorsteht. Sobald jedoch die Trachtzeit endet und der Winter näher rückt, verändert sich die Situation.
Dann beginnen die Arbeiterinnen, die Drohnen aus dem Stock zu drängen. Sie verwehren ihnen den Zugang zu den Futtervorräten, und schließlich müssen die Drohnen das Volk verlassen. Dieser Vorgang wirkt auf viele Menschen hart, doch die Bienen handeln wirtschaftlich. Da die Drohnen im Winter keine Aufgabe erfüllen, spart das Volk auf diese Weise wertvolle Ressourcen.
Wenn ich meine Fotos von Drohnenbrut und ausgewachsenen Drohnen zeige, erkenne ich immer wieder die gleiche Reaktion: Erstaunen. Viele Menschen entdecken erst dann, wie ausgeklügelt ein Bienenvolk organisiert ist. Drohnen wirken auf den ersten Blick unscheinbar, doch ohne sie gäbe es keine neuen Königinnen und damit auch keine Zukunft für unsere Honigbienen. Gerade deshalb verdienen sie deutlich mehr Aufmerksamkeit, als sie oft erhalten.

